Anfangszeit: von der Gründung bis zum Krieg ‘Ziel des Vereins ist es, Musik zu machen, seine Mitglieder in der musikalischen Entwicklung zu unterrichten und einen freundschaftlichen Geist unter den Einwohnern von Tuindorp zu fördern. So lautet der Hauptpunkt der Gründung des Tuindorp Blasorchesters am 8. Dezember 1922. Die Gründung des Musikvereins geht auf die Initiative einiger Leute zurück, die sich über die Stille in ihrer Nachbarschaft am regelmäßigen Treffpunkt im Zigarrengeschäft Smit beschwerten. Tuindorp Oostzaan war ein neuer Stadtteil im Norden Amsterdams, in dem in jenem Jahr die ersten Bewohner eingezogen waren, der aber ziemlich isoliert lag und nur schlecht an das Stadtzentrum angebunden war.
Die Musikgesellschaft musste mit Leben erfüllt werden. Eine Vereinigung zu gründen ist relativ einfach, die Nachfolge ist viel schwieriger. Das hat man beim Harmoniecorps Tuindorp (HCT) schnell festgestellt. Bei der ersten Probe waren von 24 Mitgliedern nur 10 anwesend. Das ging über mehrere Wochen so weiter, bis nur noch sieben Mitglieder übrig blieben. Dem bezahlten Dirigenten Beerschoten musste gekündigt werden, ‘den heer Bakker würde den Verein weiterhin uneigennützig als Dilettant leiten’, heißt es im Gründungsbericht des HCT. Aufgrund beruflicher Verpflichtungen musste Bakker jedoch bald zurücktreten, woraufhin J.C. Breems die Leitung übernahm: ’Von der Gründung bis Mai haben wir also als Verein eine wahre Agonie durchgemacht’, heißt es in dem Bericht. Im Mai 1923 wagte der HCT jedoch den ersten Marsch durch Tuindorp, an einem Sonntagmorgen. Und es war ein großer Erfolg: ‘Fast jeder Tuindorper kam an sein Schlafzimmerfenster, um zu sehen, ob es stimmte, dass die künftige Größe von Tuindorp, das Harmoniecorps, zu fröhlichen Klängen durch Tuindorp marschierte. Nach dieser Marschübung konnten der Vorstand und einige wache Mitglieder nicht stillsitzen, und so beschlossen sie, hinauszugehen und Spender zu rekrutieren. Und siehe da, nach einigen Wochen hatte der Verein das Glück, etwa dreihundert Unterstützer zu haben. Siehe da, unser erster Sieg’.’
Märsche am Sonntagmorgen ‘Ein Jahr nach der Gründung gingen wir auf die Straße und marschierten dann: sonntags von 7.30 bis 9.30 Uhr, fast wöchentlich. Sobald man die Kirchenglocken hörte, war es vorbei. Dieser Marsch wurde von den Anwohnern sehr geschätzt. Man hatte eine ganze Schar von Kindern, die einem folgten. Kurze Zeit später konnte HCT ein ganzes Inventar an Musikinstrumenten für 700 Gulden vom Verein Heemaf in Hengelo kaufen. Der Kauf war möglich, weil durch die Vermittlung des Leiters des Wohnungsamtes, Herrn Keppler, der später Schirmherr der Blaskapelle wurde, ein zinsloser Vorschuss von der Gemeindeverwaltung gewährt wurde. Mit guten Instrumenten und einer großen Gruppe von Spendern konnte man zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Wachstum der Vereinigung Im Jahr 1925 nahm das Harmoniecorps Tuindorp zum ersten Mal an einem Wettbewerb in Uitgeest teil. Die vielen Märsche von Tuindorp trugen Früchte: im Marschwettbewerb wurde ein erster Preis gewonnen. Im Konzertwettbewerb (vierte Division) wurde ein zweiter Preis gewonnen. Als wir nach Tuindorp zurückkehrten, war der Ort schwarz vor Menschen. Die gute Nachricht war dem HCT buchstäblich vorausgeflogen, und zwar in Form einer Brieftaube, die eines der Mitglieder nach Uitgeest gebracht und mit dem Ergebnis des Wettbewerbs schnell nach Hause geschickt hatte. 1926 wurde Breems als Dirigent von Albert Meijns abgelöst, der auch Dirigent der Ons Genoegen aus Wormerveer war. In diesen Jahren wurden die Instrumente nach und nach verbessert, so dass sich die Stimmung des Orchesters verbesserte. Außerdem wuchs die Zahl der Mitglieder. Dies führte zu guten Leistungen bei Wettbewerben. Im Jahr 1927 gewann das HCT bei einem Wettbewerb in Rotterdam die höchste Punktzahl in der dritten Division. Die finanziellen Probleme in diesen frühen Jahren waren jedoch groß. So sehr, dass Dirigent Meijns 1928 seinen Rücktritt ankündigte; es stellte sich heraus, dass er 88 Gulden an Gehaltsrückständen schuldete. Nach langen Diskussionen wurde Meijns schließlich überredet, zu bleiben. Mit Tombolas wurde in jenen Jahren versucht, zusätzliches Geld aufzutreiben. Im Jahr 1928 wurde vorgeschlagen, ein Damenkomitee mit der Organisation einer solchen Tombola zu beauftragen, was jedoch auf Ablehnung stieß: Herr Silvester ‘erklärte deutlich, warum die Damen aus den Angelegenheiten des Clubs herausgehalten werden sollten’, wie es im Bericht der Mitgliederversammlung heißt. Auch in den folgenden Jahren war immer wieder die Rede von dem negativen Einfluss, den Frauen auf einen Verein haben könnten. Später wurden die Damenkomitees jedoch zu einem sehr wichtigen Teil des Vereins bei der Organisation von Veranstaltungen aller Art; Frauen als spielende Mitglieder des Vereins blieben lange Zeit eine große Ausnahme.
1932: 10-jähriges Jubiläum Das 10-jährige Bestehen des HCT wurde 1932 im neu eröffneten Vereinsgebäude Het Zonnehuis gefeiert, das in diesem Jahr auch als Proberaum diente. Hierfür hatte man jahrelang die Dienste des Kneipenbesitzers Dral in Oostzaan in Anspruch genommen, in dessen Gebäude die wöchentlichen Proben stattfanden. Die Kündigung des Vertrages mit Dral wird mit Besorgnis aufgenommen: ‘König schlägt vor, dass der Tagesvorstand, wenn er zu Dral geht, um den Saal zu kündigen, eine Mannschaft von Kämpfern mitnimmt, was der Sekretär ablehnt, da der Mann uns immer freundlich behandelt hat, er wird uns jetzt nicht wie einen Hund behandeln. Daraufhin bittet der Vorsitzende einige alte Mitglieder, trotzdem mitzugehen’ (Bericht der Mitgliederversammlung 1932).
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